Lebenslanges Lernen: Potenzial voll ausschöpfen und Freude am Lernen fördern
Bildung zum Schutz der Erde ist ein offenes Konzept, das unter Trägerschaft von Schützer der Erde e.V. in langjähriger Modellprojektarbeit entwickelt wurde. Ziel dieser Konzeptentwicklung war es, eine möglichst erfolgreiche pädagogischen Antwort auf die zunehmende Gefährdung der Erde, auf die massive Verletzung der Würde und des Lebensrechts der Tiere sowie auf die immer größer werdende soziale Ungerechtigkeit zu geben. Wir wollten beispielhaft aufzeigen, wie gute Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) – zunächst für die Zielgruppe Kinder von 8 – 13 Jahren – aussehen könnte.
Die Frage, wie eine solche möglichst erfolgreiche pädagogische Antwort aussehen könnte, führte dazu, dass uns immer bewusster wurde, dass es nicht genügen kann, das bisherige Bildungssystem durch ein Querschnittsthema BNE zu ergänzen, obwohl dies ein wichtiger Schritt wäre. Ein viel grundlegenderer Wandel in der Bildung ist erforderlich. In der Agenda 21 heißt es: „Bildung / Erziehung einschließlich formaler Bildung, öffentliche Bewusstseinsbildung und berufliche Ausbildung sind als ein Prozess zu sehen, mit dessen Hilfe die Menschen als Einzelpersonen und die Gesellschaft als Ganzes ihr Potenzial voll ausschöpfen“ (Agenda 21, Kapitel 36).
Wenn wir erreichen wollen, dass Menschen ihr Potenzial voll ausschöpfen und bereit sind, sich selbst sowie ihren Konsum- und Lebensstil zu reflektieren, dann müssen wir den Schulzwang abschaffen und freiwilliges, selbstbestimmtes Lernen aus ureigener Motivation fördern. Denn es versteht sich von selbst, dass eine Bildung, die Menschen zur Selbstreflexion ihrer Werte und Ethik sowie zum Wandel ihres Konsum-, Lebensstils anregen will, nur auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basieren kann. Menschen sollen angeregt werden, lebenslänglich aus innerer Motivation und Freude dazuzulernen, um ihr Bewusstsein zu erweitern, um mehr in Frieden und Harmonie mit Mitmenschen, Tieren und Natur zu leben, um mehr innere Werte zu entwickeln, um eigenverantwortlicher im globalen Sinne zu werden, um sich Wissen und Fähigkeiten darüber anzueignen, wie sie Leid und Schmerz bei ihren Mitmenschen, Tieren und Natur verringern und vermeiden können, um mehr Einfühlungsvermögen und Mitgefühl zu entwickeln und vieles mehr.
Dazu brauchen wir Lernumgebungen, in denen sich Lernende und Lernbegleitende in echter Partnerschaftlichkeit begegnen und alle Beteiligten echte Mitwirkungsmöglichkeiten haben. Wir brauchen Lernfelder, in denen es erwünscht ist, alles Althergebrachte zu hinterfragen und den Sinn in Allem zu suchen, Lernfelder, in denen es keine Trennung zwischen Lernen und Leben mehr gibt. Es werden VorbildpädagogInnen gebraucht, die selbst die Freude an der ständigen Selbstreflexion, am lebenslänglichen Dazulernen, an der ständigen Selbstveränderung vorleben. Wir brauchen Menschen, die selbst begeistert sind, von dem was sie tun und was sie anderen weitergeben möchten, die vorleben, dass es glücklich macht, das, was man erkannt hat, im eigenen Leben konsequent umzusetzen. Wir brauchen Lernorganisationen, in denen Werte und Visionen für eine lebenswerte, friedliche Zukunft vorgelebt werden, in denen eine umfassende soziale-globale Bildung sowie die Förderung von Empathie und Mitgefühl keine Randerscheinungen darstellen, sondern ein zentrales, alle Lernbereiche durchdringendes Thema bilden. Wenn es uns wirklich ernst damit ist, Menschen zu helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, dann brauchen wir ein ganzheitliches Bildungskonzept. Die Förderung von kooperativem Lernen ohne Angst, die Förderung von Freude am lebenslänglichen Lernen ist dabei ein wesentlicher Aspekt.